Refraktometer für Wein: Zuckergehalt messen und Alkohol berechnen
Wenn du Wein selber machen möchtest, ist ein Handrefraktometer ein ausgesprochen praktisches Hilfsmittel. Damit kannst du bereits bei der Weinlese oder während der Verarbeitung deiner Trauben schnell und unkompliziert feststellen, wie viel Zucker im Most enthalten ist. Der Zuckergehalt deiner Trauben ist für die Weinherstellung besonders interessant: Er gibt dir einen Hinweis darauf, wie reif die Trauben sind, beeinflusst den späteren Alkoholgehalt und hilft dir dabei, die Qualität deines Mostes einzuschätzen. In diesem Ratgeber erfährst du, wie ein Handrefraktometer funktioniert, welche Werte du ablesen kannst, wie du den Most richtig misst und was °Oechsle, °Brix und KMW eigentlich bedeuten. Was ist ein Handrefraktometer? Ein Handrefraktometer ist ein kleines optisches Messgerät, mit dem du den Anteil gelöster Stoffe in einer Flüssigkeit bestimmen kannst. Bei der Weinherstellung wird das Refraktometer hauptsächlich verwendet, um den Zuckergehalt von Trauben und Traubenmost zu messen. Das Prinzip ist einfach: Gelöste Stoffe verändern den Brechungswinkel von Licht. Je mehr Zucker im Most enthalten ist, desto stärker wird das Licht gebrochen. Das Refraktometer nutzt diesen Effekt und zeigt dir den entsprechenden Messwert auf einer Skala an. Für dich als Hobbywinzer hat das einen großen Vorteil: Du brauchst nur wenige Tropfen Most und kannst innerhalb weniger Sekunden einen Messwert erhalten. Ein Handrefraktometer ist außerdem klein, leicht und benötigt normalerweise keine Batterien. Deshalb kannst du es problemlos direkt im Weinberg verwenden. Warum solltest du den Zuckergehalt deiner Trauben messen? Der Zuckergehalt ist einer der wichtigen Werte, wenn du aus Trauben eigenen Wein herstellen möchtest. Während die Trauben am Rebstock reifen, steigt normalerweise ihr Zuckergehalt an. Gleichzeitig verändern sich Säure, Aroma und andere Inhaltsstoffe. Der Zuckergehalt kann dir deshalb einen Anhaltspunkt dafür geben, wie weit die Traubenreife fortgeschritten ist. Noch wichtiger wird der Wert bei der eigentlichen Weinbereitung. Während der Gärung wandeln Hefen einen großen Teil des vorhandenen Zuckers in Alkohol und Kohlendioxid um. Je mehr vergärbarer Zucker im Most vorhanden ist, desto höher kann also der spätere Alkoholgehalt deines Weins werden. Mit einem Refraktometer kannst du deshalb unter anderem: den Reifegrad deiner Trauben kontrollieren, verschiedene Traubenpartien miteinander vergleichen, den Zuckergehalt des Mostes bestimmen, die voraussichtliche Alkoholstärke abschätzen, und Veränderungen während der Verarbeitung beobachten. Welche Werte zeigt ein Wein-Refraktometer an? Bei Refraktometern für die Weinherstellung findest du häufig mehrere Skalen. Die bekanntesten sind: °Oechsle °Brix KMW bzw. Klosterneuburger Mostwaage Diese Skalen beschreiben unterschiedliche Eigenschaften beziehungsweise Berechnungsweisen und sind nicht einfach identisch miteinander. Welche Skala für dich am praktischsten ist, hängt unter anderem davon ab, wo du Wein machst und welche Angaben in deiner Region üblich sind. °Oechsle Die Oechsle-Skala ist insbesondere im deutschsprachigen Weinbau verbreitet. Der Wert beschreibt die Dichte des Mostes im Verhältnis zu Wasser. Da Zucker und andere gelöste Stoffe die Dichte des Mostes erhöhen, lässt sich daraus auf den Zuckergehalt schließen. Wenn dein Refraktometer beispielsweise einen Wert von 80 °Oechsle anzeigt, bedeutet das nicht, dass der Most 80 Prozent Zucker enthält. Die Zahl ist ein Dichtewert und muss entsprechend interpretiert werden. Je höher der Oechslegrad, desto höher ist normalerweise auch der Zuckergehalt und damit das potenzielle Alkoholbildungspotenzial. °Brix Die Brix-Skala ist international sehr verbreitet. Ein Brix-Grad entspricht näherungsweise einem Gramm Saccharose pro 100 Gramm Lösung. Bei reinem Zuckersirup lässt sich die Skala daher relativ unmittelbar als Zuckerangabe verstehen. Traubenmost enthält allerdings nicht nur Saccharose. Neben Glucose und Fructose sind beispielsweise Säuren, Mineralstoffe und weitere gelöste Bestandteile vorhanden. Deshalb solltest du °Brix bei Traubenmost als Annäherung an den Gehalt löslicher Stoffe beziehungsweise den Zucker-/Mostgehalt verstehen und nicht als exakte chemische Analyse des vergärbaren Zuckers. KMW bzw. Babo Eine weitere Skala, die dir bei Wein-Refraktometern begegnen kann, ist KMW. Die Abkürzung steht für Klosterneuburger Mostwaage. Die Skala wird insbesondere in Österreich verwendet und dient ebenfalls dazu, die Reife beziehungsweise den Zuckergehalt des Mostes zu beurteilen. Wenn du ein Refraktometer kaufst, solltest du deshalb darauf achten, welche Skalen das Gerät tatsächlich besitzt. So funktioniert die Messung mit dem Handrefraktometer Die Messung ist grundsätzlich sehr einfach. Du benötigst lediglich dein Refraktometer und einige Tropfen möglichst repräsentativen Most. 1. Refraktometer reinigen Bevor du mit der Messung beginnst, solltest du das Prisma des Refraktometers sauber machen. Am besten verwendest du ein weiches Tuch oder etwas Wasser und anschließend ein trockenes, weiches Tuch. Bereits kleine Rückstände von einer vorherigen Messung können das Ergebnis beeinflussen. 2. Refraktometer kalibrieren Vor der ersten Messung solltest du überprüfen, ob dein Refraktometer korrekt kalibriert ist. Bei vielen Handrefraktometern erfolgt die Kalibrierung mit destilliertem Wasser. Dazu gibst du einige Tropfen auf das Prisma, schließt die Abdeckung und schaust durch das Okular. Die Grenzlinie sollte bei der vorgesehenen Nullmarkierung liegen. Falls das nicht der Fall ist, kannst du das Refraktometer entsprechend der Anleitung des Herstellers nachjustieren. Die Kalibrierung solltest du nicht einfach überspringen. Gerade wenn du deine Messwerte über mehrere Tage oder Jahre miteinander vergleichen möchtest, ist eine korrekte Ausgangsbasis wichtig. 3. Eine repräsentative Mostprobe entnehmen Nun brauchst du einige Tropfen Most. Wenn du beispielsweise wissen möchtest, wie reif deine Trauben sind, solltest du nicht nur eine einzelne Beere untersuchen. Trauben können innerhalb eines Weinbergs und sogar innerhalb einer Traube unterschiedliche Reifegrade aufweisen. Zerdrücke deshalb mehrere Beeren aus verschiedenen Bereichen deiner Traubenprobe und vermische den austretenden Saft. So erhältst du einen wesentlich aussagekräftigeren Durchschnittswert. 4. Most auf das Prisma geben Gib anschließend ein bis zwei Tropfen des Mostes auf die Messfläche des Refraktometers. Die Flüssigkeit sollte das Prisma vollständig bedecken. Danach schließt du die transparente Abdeckung vorsichtig. Achte darauf, dass sich möglichst keine Luftblasen unter der Abdeckung befinden. 5. Gegen eine Lichtquelle schauen Halte das Refraktometer gegen eine helle Lichtquelle und schaue durch das Okular. Du siehst eine Skala und normalerweise eine deutliche Hell-Dunkel-Grenze. An dieser Grenzlinie kannst du den Messwert ablesen. Je nach Gerät musst du das Okular zunächst auf deine Augen einstellen. Warum die Temperatur bei der Messung wichtig ist Die Temperatur kann das Messergebnis beeinflussen. Viele moderne Refraktometer verfügen deshalb über eine automatische Temperaturkompensation, die häufig mit ATC abgekürzt wird. ATC steht für „Automatic Temperature Compensation“. Das bedeutet allerdings nicht, dass die Temperatur völlig egal ist. Auch ein Refraktometer mit ATC besitzt einen bestimmten Temperaturbereich, innerhalb dessen die

